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Landtag zeigte Fagus-Ausstellung

11.07.2012

Eine Alfelder Delegation fuhr zur Eröffnung der Ausstellung nach Hannover

„Das lebende Denkmal UNESCO-WELTERBE Fagus-Werk“ heißt die Ausstellung, die im Juli 2012 im Niedersächsischen Landtag zu sehen war. Landtagspräsident Hermann Dinkla hat am Donnerstag, dem 5. Juli 2012 die Ausstellung in der Wandelhalle des Niedersächsischen Landtages eröffnet. Träger der Fotoausstellung sind Fagus-GreCon, Alfeld, und der Verein der Freunde und Förderer des Weltkulturerbes Fagus-Werk e.V.

Im Rahmen der Eröffnung haben die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Professorin Dr. Johanna Wanka, sowie die Geschäftsführer Fagus-GreCon, Ernst Greten und Uwe Kahmann, Grußworte gesprochen. Daran anschließend wird der Leiter der Fagus-Gropius-Ausstellung und Fotograf, Karl Schünemann, die Besonderheiten der Ausstellung näher erläutern.

Das Fagus-Werk wurde vor rund einem Jahr zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Mit der Ausstellung wird die Einzigartigkeit des Walter Gropius Fabrikgebäudes dokumentiert.

Gezeigt wurden rund 60 fotografische Arbeiten von Karl Schünemann, der seit über fünf Jahrzehnten im Fagus-Werk arbeitet. Die Themen lauten im Einzelnen: Restaurierung (1984 – 2004), die bedeutende Fagus-Werk-Architektur, Menschen im Werk und das Gebäude als kultureller Veranstaltungsort.

Seit langer Zeit sind die Fotografien von Karl Schünemann eine stetige Ergänzung zu seiner alltäglichen Arbeit im Bereich Marketing. Seine Fotos sind zu einem festen

Bestandteil der Firmenkultur geworden. Für den Fotografen sind diese Fotos ganz einfach realistische Erlebnisse. Die facettenreichen Bilder der neuen Ausstellung spiegeln schöne und interessante Impressionen der Geschichte und der Gegenwart des Fagus-Werks wider.

Während seiner Rede würdigte Hermann Dinklar, der Präsident des Niedersächsischen Landtages das Engagement um die Erhaltung des Fagus-Werkes: 

„Das lebende Denkmal UNESCO-WELTERBE Fagus-Werk“, so lautet der Titel der Ausstellung, die wir heute gemeinsam hier im Niedersächsischen Landtag eröffnen. Hierzu heiße ich Sie alle sehr herzlich willkommen.

Mit der Fotoausstellung wird die Einzigartigkeit des Walter Gropius Fabrikgebäudes dokumentiert. Die facettenreichen Fotografien spiegeln schöne und interessante Impressionen der Geschichte und der Gegenwart des Fagus-Werkes wider.

Die bedeutendste Auszeichnung für Wissenschaftler ist der Nobelpreis. Die höchste Anerkennung für Denkmäler und damit gewissermaßen der „Nobelpreis für ein Kulturdenkmal“ ist die Anerkennung als Weltkulturerbe.

Die UNESCO hat die Messlatte für diese Auszeichnung hoch gehängt. Nur Objekte, Orte oder Gebiete von weltweit einzigartigem natur- oder kulturhistorischen Wert werden mit dem Prädikat

Welterbe ausgezeichnet. Das Fagus-Werk wurde vor rund einem Jahr zum UNESCOWeltkulturerbe ernannt. Es steht nun auf einer Stufe mit den Pyramiden von Gizeh, der Chinesischen Mauer und auch mit dem Kölner Dom.

Vor 40 Jahren wurde das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes verabschiedet. Inzwischen haben nahezu 200 Staaten das Übereinkommen unterzeichnet.

Weltkulturerbestätten sind Zeugnisse vergangener Kulturen und künstlerische Meisterwerke, deren Zerfall ein nicht zu ersetzender Verlust für die gesamte Menschheit wäre. Sie zu schützen, liegt nicht allein in der Verantwortung eines einzelnen Staates, sondern ist Aufgabe der Gemeinschaft der Völker. Deswegen muss es das ausdrückliche Ziel der gesamten Völkergemeinschaft sein, diese Stätten zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten.

Letztes Jahr konnte das Fagus-Werk sein 100-jähriges Jubiläum feiern. In dem Gebäude wird bis heute seit Gründung des Unternehmens ununterbrochen produziert. Das Fagus-Werk wurde in Alfeld zu einer Zeit errichtet, als die hiesige Architektur noch weitgehend von konventionellen Baustilen geprägt war. Das Bauwerk eröffnete eine gänzlich neue Architekturepoche.

Im Jahre 1911 beauftragte Carl Benscheidt den aufstrebenden Architekten Walter Gropius damit, für seine Fagus Schuhleistenfabrik ein Gebäude zu planen und zu erstellen. Das Fabrikgebäude sollte die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten steigern und die erforderliche Präzisionsarbeit bei der Fertigung erleichtern.

Gropius sagte seinerzeit: „Gute Planung ist sowohl eine Wissenschaft wie eine Kunst. Als Wissenschaft analysiert sie menschliche Beziehungen; als Kunst bringt sie die menschlichen Tätigkeiten zu einer kulturellen Synthese.“

Der Architekt Walter Gropius, dessen Name schnell in aller Welt bekannt wurde, schuf für die Fabrik eine revolutionäre Stahl-Glas-Konstruktion.

Es war das erste große Gebäude, das Walter Gropius erstellte. Das Bauwerk sollte das entscheidende Beispiel des modernen Baustils werden, der weltweit die Städte veränderte.

Der geniale Architekt Gropius setzte sich mit seiner ersten selbstständigen Arbeit in Niedersachsen ein Denkmal. Funktionsbauen aus Stahl und Glas waren damals den Architekten durchaus bekannt, aber bahnbrechend erwies sich dennoch, mit welcher Klarheit Gropius seine Mischkonstruktion aus Backsteinpfeilern, Stahlträgern, Betondecken und betonierten Treppenläufen im Detail ausformte. Das Gebäude gilt als Schlüsselwerk der architektonischen Moderne.

Mit dem Fagus-Werk hatte Walter Gropius als einer der ersten Architekten einen Industriebau zum Kunstwerk erhoben. Er hatte ein epochemachendes Meisterwerk geschaffen.

Ich selbst konnte mich seinerzeit bei dem Besuch des Fagus-Werkes in Alfeld von dessen architektonisch hoher Qualität und Einzigartigkeit überzeugen. Ich bin auch davon überzeugt, dass sich die Beschäftigten in der lichtdurchfluteten Fabrik sowohl damals als auch heute wohlfühlen und dort gerne arbeiten. Natürlich schuf die großzügige Verglasung damals erhebliche thermische Probleme, die uns sogar heute noch in Zeiten der Dreifachverglasung beschäftigen. Blickt man jedoch auf die dunklen, rauch- und rußgeschwärzten Industriebauten der damaligen Zeit, so ist der Fortschritt für die Beschäftigten durch die revolutionäre Bauweise unverkennbar.

Mit der Anerkennung des Fagus-Werkes zum Weltkulturerbe sind die Anstrengungen von vielen Menschen und Institutionen im Lande Niedersachsen reich belohnt worden. Heute gilt es, den einzigartigen Gropius-Bau zu pflegen und für kommende Generationen zu erhalten.

Wir Niedersachsen sind sehr stolz auf unser „lebendes Denkmal“ UNESCO-WELTERBE Fagus- Werk. Es ist auch für die Region Leinebergland besonders wichtig. So lockt es doch zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus vielen Ländern nach Alfeld. Und erfreulicherweise steigen die Besucherzahlen stetig an. Zudem gehört das Werk zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens in der Region Alfeld und darüber hinaus.

Ich freue mich sehr, dass wir heute hier im Niedersächsischen Landtag eine Fotoausstellung eröffnen, die das Weltkulturerbe in äußerst ansprechender Weise illustriert. Die Einzigartigkeit des Gebäudes mit der Kamera festzuhalten und das Weltkulturerbe sozusagen in die Landeshauptstadt zu bringen, ist eine sehr schöne Idee, denn ein bekanntes Sprichwort sagt schon „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“.

Allen an der Ausstellung Beteiligten danke ich ganz herzlich für ihr Engagement. Mein besonderer Dank gilt Herrn Schünemann, der als Fotograf mit seinen Bildern in besonderer Weise einen ganz speziellen Blick auf das Fagus-Werk eröffnet.

Ich wünsche der Präsentation hier im Hause viel Erfolg und zahlreiche Besucherinnen und Besucher."